FAQs Gebärdensprache

Was Sie schon immer über Gebärdensprache wissen wollten:

Was ist Deutsche Gebärdensprache?
Gehörlose Menschen können Sprache nicht hören. Sie müssen Sprache sehen. Die Deutsche Gebärdensprache (= DGS) besteht auch Handzeichen, der Körperhaltung, dem Gesichtsausdruck und auch dem Mundbild.
DGS ist eine eigenständige Sprache mit einer eigenen Grammatik. Weil die DGS über die Augen aufgenommen wird, ist die Grammatik natürlich ganz anders als bei einer gesprochenen Sprache, die über die Ohren wahrgenommen wird.
Die Deutsche Gebärdensprache gibt es schon genauso lange wie die deutsche Sprache. Aber die DGS ist in Deutschland erst seit 2002 gesetzlich als Sprache einer Minderheit anerkannt.

Steht jedes Handzeichen für einen Buchstaben?
Nein. Das Deutsche Fingeralphabet wird nur benutzt um Eigennamen oder Fremdwörter zu buchstabieren. Andere Wörter werden gebärdet. Das geht viel schneller. Meistens steht ein Handzeichen für ein Wort. Es ist aber auch möglich, mit einem Handzeichen einen ganzen Satz, einen ganzen Sachverhalt auszudrücken. Wenn ein Gehörloser in Fahrt gerät, kommt der Dolmetscher manchmal schon ganz schön ins Schwitzen.

Können gehörlose Menschen sprechen?
Ja, sie lernen das in der Schule mit Hilfe eines anstrengenden Sprachtrainings.
Die Stimme klingt dann aber oft unerwartet, ungewohnt und unverständlich. Deshalb werden die meisten Gehörlosen gar nicht verstanden, auch wenn sie sprechen.

Warum klingt das so komisch, wenn ein gehörloser Mensch spricht?
Gehörlose Menschen können es überhaupt nicht hören, wie es klingt, wenn sie sprechen. Gehörlose Menschen können auch nicht einschätzen, wie laut ihr Hintergrund ist, zum Beispiel in einem Restaurant, an einer Straße oder in einem Bahnhof und wissen nicht, wie laut oder leise sie jeweils sprechen sollten.

Aber Gehörlose können doch Lippenlesen?
Die Deutsche Sprache benutzt 30 Phoneme (= Laute).Von 30 Lauten sind nur 11 von den Lippenbewegungen her unterscheidbar. Den Rest muss man sich denken. Ähnlich auf den Lippen erscheinen zum Beispiel: Dreißig – fleißig – weiß ich – weiß nicht. Da kann es also schnell zu Missverständnissen kommen.
Es kann nicht jeder Gehörlose gleich gut von den Lippen lesen, auch das ist eine Frage von Begabung. Und man kann auch nicht bei jedem Menschen gleich gut ablesen.

Warum benutzen Gehörlose Gebärdensprache?
Lippenlesen ist sehr anstrengend und erfordert hohe Konzentration. In Gebärdensprache geht es viel entspannter, schneller, durch geschlossene Fenster und über Bahnsteige hinweg, während der Zug einfährt.

Wenn der Gehörlose Hörgeräte trägt, wieso kann er mich dann nicht verstehen?
Um gesprochene Sprache verstehen zu können, muss man hohe Frequenzen hören können. Bei Hörschädigungen sind es aber oft diese Frequenzen, die als erstes nicht mehr gehört werden können. Mit den Hörgeräten kann man die tiefen Frequenzen für Hörgeschädigte wahrnehmbar machen, wie Autohupen, Feueralarm und Sirenen. Das kann lebensrettend sein.

Dürfen Gehörlose Auto fahren?
Ja. Das fehlende Gehör gleichen Gehörlose durch eine größeres Gesichtsfeld und eine gute Beobachtungsgabe aus. Gehörlose sehen die Lichthupen der Krankenwagen wesentlich schneller, als Hörende bei diesen Sirenen feststellen können, aus welcher Richtung die überhaupt kommen.

Ist Gebärdensprache international?
Nein. Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. Aber man kann sich international verständigen, wenn man die Grundidee von Gebärdensprache (die Verständigung in Bildern) benutzt.
Gebärden wie „essen“, „trinken“, „schlafen“ sind weltweit verständlich. Abstrakte Sachen wie Philosophie oder Gesetzestexte muss man ein bisschen anders erklären.

Wie lange braucht man, um Gebärdensprache zu lernen?
Wie bei jeder anderen Fremdsprache auch, braucht man durchschnittlich drei Jahre um einen Grundwortschatz aufzubauen, der eine Kommunikation ermöglicht. Auch hier macht Übung den Meister.

Wo kann ich Gebärdensprache lernen?
Viele Volkshochschulen haben Gebärdensprache im Programm. Oder fragen Sie in dem Gehörlosenzentrum in Ihrer Nähe.

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